KLAVIERTECHNISCHE ÜBUNGEN

Zusammenstellung wichtiger klaviertechnischer Übungen, die allesamt am besten unter Anleitung/Kontrolle und unter Berücksichtigung einer ganzheitlichen, den Körper einbeziehenden Musizierweise ausgeführt werden sollten.

 

Um diese Hinweise im Hinblick auf eine gesunde und eine den Klavierklang fördenden Technik verstehen zu können, empfehle ich dringend die entsprechenden Hinweise und Übungen im Buch „Klavierspielen mit der Seele“ von Irina Jacobson.

Immer mit absoluter Lockerheit/Entspanntheit und immer mit einer musikalischen Ausdrucksabsicht (s. „mit der Seele“) inklusive „Voraushören, Mithören und schöpferisches Nachhören“ (s. Literaturangabe oben!); nie sich überfordern, eher geduldig und langsam; einzeln + mit beiden Händen; bei spiegelbildlichen Gegenbewegungsübungen beachten: an den Tönen D + Ab spiegelt sich die Tastatur

 

Arm-Technik: (Finger als Stabilisatoren + korrekte halbrunde Haltung)

  • aus dem ganzem Arm: z. B. o7-Akkorde
  • aus dem Unterarm: z. B. Oktaven (martellato)
  • aus dem Handgelenk: z. B. Sextengriffe (staccato und leicht)
  • Schüttelbewegung (Elle dreht sich um die Speiche): Sexten-/Oktaven-/Akkordgriffe

Pop/Rock/Jazz: s. Begleitgrooves und Swing-Phrasierung

  • Vorstellung: Arm ist gefüllter Wasserschlauch (d.h. nicht schlaff und nicht fest)
  • Handgelenk nicht nach unten oder nach oben abknicken (vgl. Kraftvektor), dennoch elastisch lassen
  • 2 Grundformen: ins Klavier fallen lassen und Herauszupfen (vgl. Basketball), wobei die Finger halbrund sind und wie Stabilisatoren wirken.

Panthergriff:

  • Alle 5 Finger auf Töne E-F#-G#-A#-C
  • Finger sind Stabilisatoren mit korrekter halbrunder Haltung
  • Arm locker
  • Finger exakt ablösen oder legatissimo (Finger etwas zu spät ablösen)
  • 3-er Figuren als fortlaufende Fingerablösung: so erhält jeder Finger mal einen Akzent
  • Dabei Finger halbrund und Gelenk zwischen Endglied und Mittelglied nicht einknicken

Fingergymnastik:

  • Dient der Stärkung der Finger allgemein und der Perfektionierung der korrekten halbrunden Fingerhaltung (z. B. Verhindern des Einknickens des Gelenks zwischen Endgelenk und Mittelgelenk)
  • Sich z. B. an der oberen Kante des Klavierdeckels „einhaken“, entspannt daran den Arm hängen lassen und mit Widerstandsgefühl die Finger langsam und vorsichtig hochziehen

Hand-Dehn-Übung (Spannweite vergrößern; vgl. Eutonie):

  • Arme entspannt hängen lassen
  • Beim Einatmen die Hand weiten, wobei man sich den Dehnungsvorgang ausschließlich nicht in den Fingern sondern im Handrücken bzw. in den Handflächen und dort in den „Schwimmhäuten“ zwischen den Fingern vorstellt
  • Am Ende des Einatmungsvorgangs die erreichte Dehnung halten, auch beim Ausatmen und das Ganze 10 mal

Finger-Kombinations Drill:

  • je 2 Finger (in allen möglichen Fingerkombinationen) spielen 2 Triolenfiguren, wodurch jeder der beiden Finger einmal einen Akzent erhält
  • als Töne werden alle Tönen im Ganztonabstand verwendet
  • Finger mit korrekter halbrunder Haltung
  • Arm locker

–  Finger-Fesselungsübungen (mit korrekter halbrunder Fingerhaltung): s. Brahms 51 Übungen,

z. B. 16a-c, 17, 40a

Daumenuntersatz: (Regel: Daumen soll sich bewegen und nicht das Handgelenk)

  • Fesselungsübung: die Finger 2 bis 5 sind auf den Tönen F#-G#-A#-C# gefesselt und der Daumen spielt in allen Intervall-Varianten von Ton D bis eine Oktave höher (also wieder Ton D) auf den weißen Tasten mit deutlicher Ausholbewegung
  • Dabei Finger halbrund und Gelenk zwischen Endglied und Mittelglied nicht einknicken

Chromatische Tonleiter (mit korrekter halbrunder Fingerhaltung und lockerem Arm):

  • mit Fingersatz 1-2-3
  • mit Fingersatz 1-2-3-4 (Brahmscher Fingersatz)
  • mit Fingersatz 3-4-5 (s. Chopin-Etüde)

Tonleitern + Arpeggien (Dur/Moll/Jazz-Skalen) mit korrektem Daumenuntersatz, mit korrekter halbrunder

Fingerhaltung und entspanntem Arm:

  • Tonleitern immer ab jedem Ton der Tonleiter üben
  • 2-er Betonung über 2 Oktaven und Terz; 3-er Betonung über 3 Oktaven und Quart; 4-er Betonung über 4 Oktaven und Quint

s. Hanon: Der Klaviervirtuose (Vorsicht: ist zwar umfassend, aber gefährlich; nie überanstrengen!)

 

Literaturspiel-Empfehlungen

– Leichte Stücke aus Klavierschulen (Klassik + Pop/Rock/Jazz)

– Bach: Kleine Präludien, Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach

– Sonatinen der Klassik

– Schumann: Album für die Jugend

– Schubert: Wiener deutsche Tänze, Wiener Tanzbüchlein

– Bartok: Mikrokosmos, Für Kinder

– Christopher Norton: Microjazz

– Chick Corea: Children Songs

usw.

Klavierpraktische Harmonielehre

 

s. Tonsatz: Alle Akkordtypen (+ Umkehrungsformen) und typische Akkordfolgen (Klassik + Pop/Rock/Jazz)

auf dem Klavier „blind“ greifen/verbinden, wobei das Übetempo langsam gesteigert wird.

– B. Frank: Rhythm Styles for Piano (2 Bände, Schott Verlag); ist eine begleittechnische und harmonische

„Schule“ der Pop/Rock/Jazz-Musik.

 

 

Über Prof. Frank

Seit 1983 Professor für Schulpraktisches/Unterrichtspraktisches Klavierspiel, Klavierimprovisation und Jazz (z.B. Jazzpiano, Chor) an Hochschule für Musik in Mainz

27. April 2011 von Prof. Frank
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